Auf Erkundungstour zu Fuß durch Oulu

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Großstadt und Natur, Sandstrand und Meereseis, moderne Wohntürme und Holzhäuser – das alles ist Oulu, wie ich es während unserer Reise Anfang Mai kennenlernen durfte. Die mit über 209 000 Einwohnern fünftgrößte Stadt Finnlands liegt am Oulujoki-Delta und am Bottnischen Meerbusen, sodass Wasser im Stadtbild ebenso allgegenwärtig ist wie zahlreiche Fahrräder. Schon kurz nach unserer Ankunft wurde klar, dass es sich um eine fahrradfreundliche Stadt handeln muss. Davon zeugten die gut ausgebauten und markierten Fahrradwege, über die die Internetseite Oulun seudun pyöräily ausführlich (auf Finnisch) informiert. So verwundert es kaum, dass wir auch bei unserem Besuch im Stadttheater Leute sahen, die mit dem Drahtesel zur Vorstellung des Musicals Billy Elliot angereist waren.

 

Spaziergang vom Marktplatz bis nach Nallikari

Auch als Fußgänger profitiert man vom hervorragenden Radwegnetz. Vom Marktplatz aus führt Hauptradweg Nummer 12 auf einer 3,4 km langen Strecke direkt bis zum Sandstrand in Nallikari. Es lohnt sich jedoch, zunächst einen Blick auf den am Wasser gelegenen Marktplatz zu werfen. Auf der künstlich angelegten Vänmanninsaari befindet sich neben dem zuvor erwähnten Stadttheater die Bibliothek; beide Gebäude wurden vom Architektenpaar Marjatta und Martti Jaatinen entworfen. Weithin bekannt ist auch die Bronzestatue Toripolliisi (Marktpolizist), mit der sich wohl jeder Tourist gerne fotografieren lässt. Sie steht vor der Markthalle und ist somit kaum zu verfehlen. Des Weiteren lässt es sich gut in einem der vielen Restaurants rund um und auf dem Marktplatz verweilen.

Radweg Nummer 12 führt zunächst über die Brücke Pikisaarensilta auf die gleichnamige Insel Pikisaari. Hier kann man entweder dem asphaltierten Radweg folgen und einige Holzhäuser bewundern oder aber man spaziert am Ufer entlang um die Insel herum – in jedem Fall wird man am Ende die Korkeasaarensilta erreichen. Nach der Überquerung selbiger erreicht man Hietasaari. Nun geht es eigentlich nur noch immer weiter geradeaus, bis man ans Meer gelangt.

Radweg Nummer 12 führt vom Marktplatz in Oulu direkt an den Strand Nallikari.

 

Oulu liegt an der sogenannten Bottenwiek, dem nördlichsten Teil des Bottnischen Meerbusens und somit der Ostsee. Im Winter friert diese zu – ein interessanter Anblick, selbst wenn einem vorher bekannt war, dass das passiert. Ans Schwimmen war also während unseres Aufenthaltes trotz des sonnigen Wetters noch nicht zu denken. Am Strand wehte ein eisiger Wind. Sonnenbrille und Mütze bildeten eine bewährte Kombi, um sich einerseits vor der Kälte, andererseits vor einem Sonnenbrand zu schützen. Immerhin waren es nur noch knapp sieben Wochen bis Mittsommer, das heißt, die Sonne stand hoch am Himmel, ging gegen halb 5 auf und erst nach 22 Uhr wieder unter.

Noch war wenig los am Strand, auch wenn die Eiskioske natürlich bereits geöffnet hatten – ein sicheres Zeichen für den beginnenden Frühling, wurde mir gesagt. Wer sich einen besseren Überblick verschaffen möchte, kann auf den „Leuchtturm“ steigen, wobei es sich eher um einen Aussichtsturm handelt. Von dort aus konnte man in der Ferne auch tatsächlich Meerwasser im flüssigen Aggregatzustand erblicken.

Verschiedene Wege laden dazu ein, Hietasaari abseits des Strandes zu erkunden.

 

Abgesehen vom Sandstrand hat Hietasaari Wald zu bieten. Auf ausgeschilderten Wegen lassen sich Spaziergänge unterschiedlicher Länge über die Insel unternehmen, beispielsweise der 5,2 km lange Hietasaaren kierros. Als Ausgangspunkt kann der Parkplatz hinter dem ehemaligen Kylpylähotelli Eden dienen. Begleitet vom ständigen Kreischen der Möwen führt einen der Rundweg unter anderem vorbei an einem Vogelbeobachtungsturm. Zu dieser Jahreszeit war festes Schuhwerk angebracht. Stellenweise befanden sich noch Schneereste auf den Wegen, manchmal aber auch große Pfützen. Überhaupt war der Wald voll davon, sodass einem hin und wieder auch Enten begegneten, die darin herumschwammen. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, dass in Finnland selbst in den großen Städten die Natur praktisch um die Ecke liegt.

 

Spaziergang durch den Stadtpark Hupisaaret

Wer nach Spaziermöglichkeiten näher am Stadtzentrum interessiert ist, dem seien die Hupisaaret ans Herz gelegt. Folgt man der Kirkkokatu, kann man sich unterwegs den Dom von Oulu, Franzénin puisto und die Gebäude der Provinzverwaltung ansehen, die südlich des Stadtparks liegen. Auch das Kunstmuseum und das Wissenschaftszentrum Tietomaa befinden sich in unmittelbarer Nähe. Am Ende der Kirkkokatu gelangt man in den Ainolanpuisto, in dem das Nordostbottnische Museum besichtigt werden kann.

Bei den Hupisaaret handelt es sich um mehrere Inseln im Unterlauf des Flusses Oulujoki, die allesamt über kleine weiße Holzbrücken miteinander verbunden sind. Man findet hier unter anderem Parkanlagen, Fuß- und Radwege, Bäche und ein Sommertheater. Durchquert man den Stadtpark, stößt man am nördlichen Ende auf Merikoski. An dieser Stelle wird der Oulujoki zwecks Energiegewinnung aufgestaut. Um dennoch die Wanderung von Fischen zu ermöglichen, wurde eine Fischtreppe angelegt, die die elf Meter Höhenunterschied zwischen Meer und aufgestautem Fluss überwindet.

Staumauer des Wasserkraftwerks Merikoski

 

Man kann um Merikoski herumspazieren und einen näheren Blick auf Staumauer und Kraftwerk werfen. Am Strand von Tuira kann es vorkommen, dass einem Leute begegnen, die Eisschwimmen als Hobby betreiben. Während man selbst in seine Winterjacke eingemummelt ist, tauchen sie ohne zu zögern ins kühle Nass. Wenigstens ziehen sie dabei in der Regel eine Mütze auf.

Überhaupt scheinen die Menschen in Oulu die Nähe zum Wasser gerne zu nutzen. Schilder weisen die beliebtesten Paddelrouten des Oulukoji-Deltas aus, und sowohl am Ufer als auch auf dem Wasser versuchen Angler ihr Glück. Doch auch wer die Vorzüge des Stadtlebens schätzt, wird nicht enttäuscht. Im Stadtzentrum warten zahlreiche Restaurants mit internationaler Küche, Karaokebars und Einkaufsmöglichkeiten darauf, erkundet zu werden. Für all das reichte unsere Zeit kaum aus, sodass ein erneuter Besuch nicht ausgeschlossen ist. Und wer weiß, vielleicht ist bis dahin auch die Renovierung des Rathauses abgeschlossen und die Fassade nicht mehr hinter Baugerüsten und Planen verborgen.

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