Als Tourist in Finnisch-Lappland

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In den letzten Jahren hatte ich mehrfach das Glück, das wunderschöne Lappland bereisen zu dürfen. Meine Einstiegsdroge war seinerzeit ein mehrtägiger Aufenthalt in Rovaniemi. Was man dort und in anderen Ecken alles erleben kann, möchte ich im Folgenden vorstellen.

Zu welcher Jahreszeit sollte man Lappland bereisen?

Zunächst stellt sich die Frage, zu welcher Jahreszeit man Lappland bereisen möchte. Das hängt vor allem von den persönlichen Präferenzen ab, aber einige der angebotenen Aktivitäten sind nur im Winter möglich. Im November ist es noch relativ ruhig, während im Dezember viele Leute anreisen, um den Weihnachtsmann zu treffen. Man sollte bedenken, dass um den Jahreswechsel herum nur sehr wenig Tageslicht vorhanden ist und man seine Ausflüge dementsprechend planen muss. Im März dagegen gibt es schon wieder lange Tage mit Schnee, der vielerorts bis in den April hinein liegen bleibt. Im Sommer locken die weißen Nächte und die Mitternachtssonne, während man im Herbst die Zeit der Laubfärbung (ruska) genießen kann.

 

Wie erfolgt die Anreise?

Für die Anreise mit dem Flugzeug geht es über Helsinki-Vantaa nach Rovaniemi, Kittilä oder Ivalo. In der Hochsaison (d.h. im Winter) gibt es auch Direktverbindungen von anderen europäischen Flughäfen aus. Wer es nicht eilig hat, kann mit dem Nachtzug von Helsinki bis Rovaniemi, Kemijärvi oder Kolari fahren. Von dort aus reist man mit dem Bus oder Mietwagen weiter. Je nachdem, welches Ziel man hat, kann es sich auch anbieten, ins norwegische Tromsø zu fliegen und von dort weiter nach Finnland zu reisen.

 

Welche Winterkleidung wird benötigt?

Wer zum ersten Mal im Winter nach Lappland reist, stellt sich häufig die Frage nach der passenden Bekleidung. Bucht man eine Aktivität bei einem der örtlichen Anbieter, bekommt man von diesem meist Overall, dicke Stiefel und Fäustlinge gestellt. Wenn ich an mehreren Ausflügen teilnahm, durfte ich die Kleidung sogar für die Dauer des gesamten Aufenthaltes behalten.

In den Koffer gehören auf jeden Fall Skiunterwäsche, dicke Socken, Mütze, Schal, Unterziehhandschuhe sowie Fleecepullis – Zwiebelprinzip ist angesagt. Hat man keinen Overall, schützen eine Skihose und eine wind- und wasserdichte dicke Jacke genauso gut. Keine Sorge, es ist gar nicht so eisig, wie man sich das vielleicht vorstellt. Tatsächlich habe ich in Lappland unter meiner dicken Schicht an Klamotten sogar häufiger geschwitzt als gefroren.

Mit der richtigen Kleidung sind auch minus 20 Grad kein Problem.

 

Wie ist das im Sommer mit den Mücken?

Darüber haben wir doch alle schon mal nachgedacht. Berechtigterweise, denn schließlich gibt es in Finnisch-Lappland mit räkkä sogar ein eigenes Wort für das massenhafte Auftreten blutsaugender Insekten. Dieses beginnt Ende Juni um die Sommersonnenwende und dauert bis zum späten Sommer an. Auf einer Reise im September hatte ich keinerlei Probleme mit Mücken. Bei unserem ersten Sommeraufenthalt im Juli dagegen sah es schon anders aus. Vor allem bei Dämmerung wurden die kleinen Plagegeister aktiv. Auf Wanderungen war ein ständiges Surren unser Begleiter. Neben langer Kleidung, um den Insekten möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, sprühten wir uns mit reichlich Mückenabwehrspray ein. Ein ungeschützter Aufenthalt gerade in der Nähe von Gewässern ist nicht empfehlenswert: Als ich am ersten Abend noch nicht darauf eingestellt war, holte ich mir in kurzer Zeit 17 Mückenstiche auf der Stirn.

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Mücken sind der ständige Begleiter im lappländischen Sommer.

 

Welche Aktivitäten gibt es in Lappalnd?

Nun kommen wir zu den zahlreichen möglichen Unternehmungen. Die Liste ist keineswegs vollständig, da ich an dieser Stelle nur solche aufzählen werde, die ich bisher selbst ausprobiert habe.

Bei ungemütlichem Wetter bietet sich ein Besuch im Museum an. Sehr empfehlenswert ist das Siida in Inari. Die Austellung erzählt von der Natur Lapplands zu den unterschiedlichen Jahreszeiten und dem Leben der Samen, der indigenen Bevölkerung. Auch im Arktikum in Rovaniemi kann man sich über die Geschichte und Natur Lapplands informieren.

Apropos Rovaniemi: Dort befindet sich das Weihnachtsmanndorf am nördlichen Polarkreis. Abgesehen vom Stöbern in zahlreichen Andenkenläden kann man dort in der Poststelle seine Weihnachtskarten für die Lieben daheim schreiben, die dann pünktlich zur Weihnachtszeit versendet werden. Zusätzlich kann man dem „echten“ Weihnachtsmann einen Besuch abstatten und einen Plausch mit ihm halten.

Etwa 80 km südlich von Rovaniemi liegt der Zoo von Ranua, in dem man die Tiere der Arktis in einem naturnahen Lebensraum sehen kann. Eine Besonderheit ist, dass die Tiere in großen umzäunten Gehegen mitten im Wald leben. Wer sich gefragt hat, ob es in Finnland Eisbären gibt: ja, aber auch nur dort im Zoo.

Einer meiner absoluten Höhepunkte ist die Rauchsauna am Kiilopää. Drei Mal pro Woche wird hier die Sauna mit Rauch angeheizt, wodurch eine besonders angenehme Wärme entsteht. Auch die anschließende Abkühlung im Eisloch ist ein unvergleichliches Gefühl. Irgendwie kalt und kribbelnd, aber sobald man aus dem Wasser steigt, fühlt man sich großartig. Trotz Dusche direkt vor Ort kann man sich darauf einstellen, danach noch ein paar Tage lang geräuchert zu riechen.

Eine ganze Reihe von Aktivitäten ist eigentlich in allen der Touristenzentren (u. a. Levi oder Saariselkä) möglich, allen voran Ski fahren und laufen. Das benötigte Equipment lässt sich vor Ort ausleihen. Beleuchtete Pisten und Loipen sorgen dafür, dass auch an kurzen Wintertagen bis in die Abendstunden gefahren werden kann.

Eine Schneeschuhwanderung bietet sich gut an, um die Umgebung abseits der präparierten Pfade zu erkunden. Sie verhindern, dass man bei jedem Schritt einsinkt, und erleichtern das Vorankommen im Tiefschnee. Auch Schneeschuhe lassen sich bei örtlichen Anbietern ausleihen. Gute Ausgangspunkte für Wanderungen – auch zu den anderen Jahreszeiten, in denen kein Schnee liegt – sind Nationalparks (z.B. Pallas-Yllästunturi oder Urho-Kekkonen). Als Besucher findet man dort markierte Routen von unterschiedlicher Länge vor.

Wer sich nicht aus eigener Kraft durch den Schnee bewegen möchte, kann eine Rentierschlittenfahrt buchen. Die Tiere trotten langsam in einer Reihe durch den Wald, wobei man ausreichend Zeit hat, den Anblick eines Rentierhinterteils zu verinnerlichen.

Etwas mehr Aufregung und Geschwindigkeit bietet eine Hundeschlittenfahrt. Sobald man den Hof betritt, wird man vom freudigen Jaulen der Hunde begrüßt, die es kaum erwarten können, ihren Bewegungsdrang auszuleben und durch den Schnee zu preschen. Dabei ist man selbst für sein Gespann verantwortlich: geht es bergauf, muss man den Tieren helfen. Werden sie zu schnell, muss man auf die Bremse treten. Allerdings sollte man sich darauf gefasst machen, dass die Hunde dann vorwurfsvolle Blicke nach hinten werfen. Es ist schon faszinierend, mit was für einer Kraft und Ausdauer sie den Schlitten ziehen.

Ohne Tiere, aber trotzdem mit einiger Geschwindigkeit, geht es bei einer Schneemobilfahrt zu. Diese führt entweder durch den Wald oder aber, wenn die Eisdicke es zulässt, über gefrorene Flüsse. Auf denen lässt es sich schneller fahren, da keine Hindernisse im Weg sind.

All diese Fahrten sind in unterschiedlichen Ausführungen und Längen erhältlich. Manchmal gibt es unterwegs eine Stärkung mit heißem Kaffee oder Blaubeersaft. Die Ausflüge können sowohl tagsüber als auch nachts durchgeführt werden, dann häufig in Kombination mit einer Polarlichtsafari.

Polarlichtsafari bedeutet, dass man mit einem Ortskundigen an die besten Plätze fährt, um die Nordlichter zu beobachten. Es gibt natürlich keine Garantie dafür, dass sie sich zeigen. Aber zumindest wissen die Tourführer, wo möglichst wenig Licht die Sicht auf den Himmel stört und wenn man im Auto unterwegs ist, können sie gegebenenfalls eine Richtung einschlagen, in der die Wetterprognosen eine klare Nacht versprechen.

Es gibt also so einiges zu unternehmen in Lappland und vielleicht können meine Erfahrungen ja als Inspiration für den nächsten Urlaub im Norden dienen.

 

 

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