Auf Kosten von Penny bei der Eishockey-Weltmeisterschaft

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Mit Hilfe von Werbung auf die Reise aufmerksam geworden

Im Frühjahr waren unsere Augen zwischen den Werbeprospekten auf die Ankündigung von Penny über eine Fanreise zur Eishockey Weltmeisterschaft gefallen. Miriam ermutigte mich daran teilzunehmen, sodass ich nach kurzer Überlegung die Bewerbung im Internet ausfüllte. Es verging nicht viel Zeit, als ich bereits eine E-Mail-Benachrichtigung erhielt, in der man mir ankündigte, dass ich in die Interviewphase weitergekommen war. Nach dem kurzen über das Internet durchgeführten Interview war ich nicht besonders überzeugt von meinen Chancen, für die Reise ausgewählt zu werden, aber nach dem Wochenende erhielt ich erneut eine Nachricht vom Reiseveranstalter, und die Ankündigung war klar:  Ich war ausgewählt worden für die Reise zur in Finnland stattfindenden Eishockey-Weltmeisterschaft!

In der Bewerbungsphase hatte ich die letzte von vier angebotenen Gruppen ausgewählt und damit die einzige, deren Reise nach Tampere gehen würde. Die Reise würde am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt beginnen und am folgenden Montag enden, sodass es sich um fünf Übernachtungen handelte. Aus der Beschreibung ging auch direkt hervor, dass die Gewinner zusammen in einer Art WG wohnen und ihre Zeit verbringen würden. Der Gedanke, mit wildfremden Menschen unterzukommen, fühlte sich einerseits etwas fragwürdig, aber gleichzeitig auch interessant und faszinierend an. Ich stellte mir vor, dass sie wie ich an Eishockey interessiert sein würden, sodass sich sicherlich zumindest ein gemeinsames Gesprächsthema finden würde.

Es war im Vorfeld auch schwierig sich auszumalen, wie mein Finnland-Hintergrund sich auf die Reise auswirken würde und wie die anderen für die Reise ausgewählten darauf reagieren würden. Natürlich hatte ich die Sache in der Bewerbungs- und Interviewphase erwähnt, hatte aber auch zu verstehen gegeben, dass meine Leidenschaft für Eishockey der wichtigste Grund dafür war, dass ich mich beworben hatte. Wie gewöhnlich auf Finnlandreisen fühlte ich mich gewissermaßen fremd in einer ziemlich bekannten Umgebung.

 

Die Reise beginnt

Vor Beginn der Reise erhielt ich noch Anweisungen sowie das vorläufige Programm. Ich schickte dem Reiseveranstalter noch die benötigten Papiere zu, woraufhin die Reise wie geplant vom Flughafen Düsseldorf losging, an dem ich mich rechtzeitig einfand. Während ich im Flugzeug war, überlegte ich, welche anderen Gewinner möglicherweise unterwegs waren, aber am Ziel wurde klar, dass ich der einzige von Düsseldorf aus nach Finnland geflogene Reisende war.

Als ich am Flughafen von Helsinki angekommen war und meinen Koffer geholt hatte, erwartete mich Patrick, der das Interview durchgeführt hatte, in der neuen Ankunftshalle mit einem Penny-Supporting-Six-Schild in der Hand. Wir unterhielten uns einen Moment, bevor ich den Rat bekam, mir eine Kleinigkeit zu essen zu holen. Ich ging sofort Richtung Alepa und führte die von mir im Koffer mitgebrachten leeren Getränkedosen dem Rückgabeautomaten des Ladens zu.

Als ich meinen Einkauf erledigt hatte, kehrte ich in die Aula zurück, wo bereits zwei weitere Personen, die die Reise gewonnen hatten, Patrick umgaben. Etwas später landete auch das letzte Flugzeug, sodass die ganze Gruppe beisammen war. Am Flughafen wurde der Gruppe unter anderem auch der Kameramann vorgestellt. Sehr schnell wurde auch klar, dass unsere Reise am nächsten Tag zurück nach Helsinki führen würde, da das nächste Spiel der deutschen Mannschaft dort gespielt werden würde. Jetzt brach ich jedenfalls an Bord eines großen Mietwagens mit den anderen in Richtung Tampere und der dort gemieteten Wohnung auf.

 

Ankunft in Tampere

Etwa zwei Stunden später erreichten wir Tampere, indem wir durch das Stadtzentrum fuhren. Die Fahrt setzte sich von dort aus noch recht lange Richtung Ylöjärvi fort, da sich unsere Wohnung im Stadtteil Lielahti befand, von wo aus es bis zum Zentrum mehr als acht Kilometer sind. In der Wohnung erwarteten uns zwei junge Mitarbeiterinnen des Deutschen Eishockey-Bundes sowie der ehemalige Nationalspieler Christoph Ullmann, der auch direkt damit begann das Abendbrot für uns zu grillen.

Bootshafen am Näsijärvi-See

 

Das Haus stellte sich als von einer Großfamilie gemietete Wohnung heraus, in der es viele Zimmer sowohl im Ober- als auch im Untergeschoss gab, eine Terrasse, ein Außengebäude, ein Boot im Hof und drinnen natürlich auch eine Sauna. Schnell kamen wir zu einem Einverständnis über die Raumaufteilung, und zu meiner Freude wartete auf meinem Bett schon ein Haufen Kleidung in der richtigen Größe. In meinem Zimmer gab es auch ein Klavier, das ich direkt ausprobieren konnte. Zusätzlich zu den ganzen Penny-Requisiten hatte man aus Deutschland für die Gruppe unter anderem ein Tischeishockeyspiel gebracht. Am Abend wurden wir noch ein bisschen fotografiert und gefilmt, aber ansonsten gab es kein weiteres Programm mehr.

 

Ein Tag in Helsinki

Nach einer überraschenderweise gut durchgeschlafenen Nacht hörte man ab acht Uhr aus dem Wohnzimmer und der Küche Geräusche, da die für den Reiseveranstalter beschäftigten Patrick und Max kamen, um für die Supporting-Six-Mannschaft Frühstück zuzubereiten. Zwischen Frühstück und Aufbruch nach Helsinki blieben ein paar Stunden Zeit, sodass ich zusammen mit einigen anderen meiner Fankollegen beschloss, die nähere Umgebung auf einem kleinen Spaziergang anzusehen. Das Wetter war nicht vorteilhaft, da der Himmel grau war und es zwischendurch ein wenig regnete. Dennoch war es schön, sich den Bootshafen anschauen zu gehen und die frühsommerliche Natur zu sehen.

Um ein Uhr wurde es Zeit, wieder nach Helsinki aufzubrechen. Während der Fahrt waren die Bedingungen zwischenzeitlich schlecht, da es zwischendurch heftig regnete. Als wir in Helsinki ankamen, begann der Himmel allerdings etwas aufzuklaren und der Regen endete. Eine Stunde vor Beginn der Partie kamen wir vor der Eishalle in Helsinki an, in die wir nach einer kurzen Wartezeit auch eintreten konnten. Schon bevor wir in die Halle gingen, war in unserer Gruppe die finnische Alkoholpolitik diskutiert worden: In der Halle wurden zwar alkoholische Getränke, vor allem Bier, verkauft, aber diese durfte man nicht mitnehmen auf die Tribüne. Das kommt daher, dass in Finnland bei öffentlichen Veranstaltungen der Verkauf und das Trinken von Alkohol ausschließlich in extra markierten sogenannten Ausschankbereichen gestattet ist. So ein Ausschankbereich kann abhängig von der Situation zum Beispiel ein größeres eingezäuntes Außenareal umfassen oder den Innenbereich eines Restaurants. In der Eishalle von Helsinki wurden die alkoholischen Getränke in andersfarbigen Bechern als die alkoholfreien Getränke verkauft, und als Ausschankbereich fungierte somit die Aula der Halle. Als weiteres Beispiel sei unser Aufenthalt in einem gewissen Schnellrestaurant in Tampere erwähnt, in dem der Genuss von Alkohol ausschließlich im Innenraum erlaubt war, man durfte Bier also nicht einmal nach draußen vor das Restaurant auf dessen eigene Terrasse bringen.

In der Eishalle von Helsinki kurz vor Spielbeginn

 

Das Spiel lief an diesem Tag von der deutschen Mannschaft nicht wie erhofft, aber das Programm endete damit natürlich nicht. Von der Eishalle aus machten wir uns auf den Weg ins Kernzentrum der Stadt, wo für uns ein Tisch im Wikingerrestaurant reserviert war. Nach dem Essen verabschiedeten wir uns von Christoph Ullmann und kamen durch Zufall noch zu einem gemeinsamen Foto mit den Spielern der deutschen Mannschaft, da ein Teil der Mannschaft gerade dann am Restaurant vorbeilief, als wir es verließen.

Die Rückfahrt nach Tampere verlief, indem wir die Abendspiele verfolgten. Als wir in Lielahti ankamen, durfte ich noch von der Rückbank des Autos springen und bei der Kunst des Automatentankens Hilfe leisten.

Die bekannten Statuen am Hauptbahnhof Helsinki dem Anlass entsprechend gekleidet

Pausentagprogramm

Am Freitag gab es keine Wettkämpfe, sodass auch die Fangruppe sozusagen einen Pausentag hatte. Nach dem Frühstück gab es für viele Stunden kein gemeinsames Programm, sodass die Gruppenmitglieder die Zeit auf ihre Weise verbrachten. Ich ging wieder mit einigen anderen Kollegen spazieren, diesmal zuerst in den Lebensmittelladen und danach noch zum etwas weiter entfernt liegenden Einkaufszentrum. Ich konnte auch Tipps geben, was sich aus Finnland als Souvenir mit nach Hause zu bringen lohnt und welche verschiedenen Speisen sich lohnen zu probieren. Zurück kamen wir über einen teilweise anderen Weg, wodurch für ein Gruppenmitglied auch Geocaching möglich war.

Am Nachmittag machten wir uns alle zusammen von der Wohnung aus Richtung Tampere Zentrum auf, wo uns die Touristenführerin Liisa auf dem zentralen Marktplatz erwartete. Sie hatte vor, mit uns zusammen im Zentrum umherzulaufen und uns dabei zwischendurch in Bars zu bringen, damit wir verschiedene Biersorten probieren konnten. Die Führerin sprach gutes Deutsch, und die Runde war an sich interessant, aber viele waren der Meinung, dass die Bierprobe wohl der schwächste Teil war. Es war also kein Wunder, dass ein Teil der Gruppe begann andere Getränke zu bestellen, wo doch die im Rundgang inbegriffenen Biere nicht schmeckten. Es war jedenfalls schön, sich das ehemalige Werksgelände von Finlayson ansehen zu können sowie in unmittelbarer Nähe von Tammerkoski umherzugehen. Der Rundgang endete in einem Restaurant, wo die Führerin sich von uns verabschiedete und uns den Kellnern anvertraute. Nach einem schmackhaften Abendessen begaben wir uns wieder in die Wohnung, wo ich die strombetriebene Sauna testete.

Stadtführung entlang der Tammerkoski-Stromschnelle

 

Macarena, Wettkampftrubel und Fußball

Für Samstag war reichlich Programm angekündigt: zwei Spiele in der Arena sowie am späten Abend das Endspiel der Fußball Champions League, welches die vielen (Fußball)-Fans der Gruppe unbedingt sehen wollten. Wir stimmten am Vormittag darüber ab, ob wir am Abend in der Stadt in eine Sportbar Fußball gucken gehen würden oder ob wir nach Hause kommen würden, um zu gucken. Die überwältigende Mehrheit war für das Zentrum und die Sportbar.

Bereits vor dem ersten Spiel des Tages gingen wir in die Fanzone, wo der Kameramann gute Aufnahmen von uns Gruppenmitgliedern bekam, mitunter in der Rolle als Eishockeytorwart und Schütze eines Schaumstoffpucks, mitunter mit Helmen auf dem Kopf und Finnlandflaggen in der Hand. Auf Fotos und Video festgehalten wurde auch der von einem der Hauptsponsoren angebotene Macarena-Tanz, an dem ich mit einem meiner Fankollegen teilnahm. Als Belohnung für diese kleine Tanzeinlage erhielten wir Trikots ausgestaltet in den Farben und mit dem Logo jenes Sponsors.

Im ersten Halbfinale des Tages standen sich das Gastgeberland Finnland und die USA in der Arena gegenüber. Die Stimmung ging durch die Decke, auch nach dem Spiel, als die finnische Mannschaft sich ihren Weg ins Finale geebnet hatte. Wir gingen zurück in die Fanzone, wo ein Teil des Publikums aus irgendeinem Grund noch ein wenig steif war. Zum Glück kam unsere Gruppe zu Hilfe und nahm sich sozusagen der Bühne an. Bald schallte die Freude durch das ganze Zelt und das Publikum sang und tanzte im Takt zu Hits wie „Hengaillaan“ und „YMCA“.

Es stand noch der zweite Halbfinalkampf des Tages an. Danach waren die Gruppenmitglieder so müde, dass der ursprüngliche Plan in der Stadt zu bleiben in seltener Übereinkunft verworfen wurde. Wir beschlossen also, zur Wohnung zurückzukehren, wo die Verbindung des Laptops mit dem Fernseher gut gelang. Ich machte mich mit Max auf, um aus der nahegelegenen Pizzeria für alle etwas zu essen zu holen. Die Zubereitung von sieben Pizzen durch zwei Mitarbeiter ging erstaunlich schnell, und als der Anfang der Fußballpartie noch zwei Mal verschoben wurde, verpasste ich keine einzige Minute des Finales.

 

Höhepunkt der Wettkämpfe

Am Sonntag war der letzte Tag der Weltmeisterschaft. Nachmittags wurde das Spiel um Platz drei ausgetragen und am Abend das Finale, in dem sich Finnland und Kanada gegenüberstanden. Wir hatten beschlossen, frühzeitig ins Zentrum zu fahren, sodass wir es noch schaffen würden, in die Moro Bar des sich neben Arena und Bahnhof befindlichen Turmhotels zu gehen, also nach oben auf die Aussichtsebene des Hotels. Von dort aus setzte ein Teil unserer Gruppe die Reise fort, indem er in den  Warenhäusern von Hämeenkatu umherschlenderte und etwas aß. Wir kamen an, um den Bronzewettkampf anzusehen, als dieser gerade anfing.

Nach dem Spiel bemerkten wir, dass die eigentliche Fanzone ziemlich voll und die dorthin führende Schlange wirklich lang war. Wir beschlossen, in das nahegelegene andere Fanareal zu gehen, das im Grunde nichts anderes als ein Ausschankbereich war, der sich dank des guten Wetters trotzdem als hervorragende Lösung herausstellte. Wir waren fast die einzigen in Deutschlandfarben gekleideten Wettbewerbstouristen in der Stadt, sodass wir uns zu unserem Vorteil von der hauptsächlich blauweißen Masse abhoben. Viele finnische Eishockeyfans kamen, um mit uns zu plaudern – einer wollte die Gelegenheit nutzen und Deutsch sprechen, mit einem anderen wiederum fand ich nach einem Moment des Suchens eine gemeinsame Sprache, und indem ich von meiner Ortskenntnis Gebrauch machte, zeigte ich dem Herrn, dass ich wusste, dass fast alle Gurken und Tomaten Finnlands aus Närpes kommen. Im Gegenzug erfreute es mich zu hören, dass der Mann den finnisch- und schwedischsprachigen Namen sowohl von Kokemäki als auch vom Kokemäenjoki-Fluss gut kannte. Wir gingen rechtzeitig los, um das Endspiel anzusehen. Es war ein schönes Gefühl, alle Ereignisse der letzten beiden Wettbewerbstage vor Ort und auch noch in der Arena sehen zu können.

Die finnische Mannschaft hielt dem Druck stand und schnappte sich nach spannenden Phasen ihren vierten Eishockeyweltmeisterschaftstitel. Die Siegerehrung nach dem Spiel in der Arena dauerte noch einen Augenblick, sodass es schon ziemlich spät war, als wir aus der Halle in die dämmerige Sommernacht und zwischen den Haufen feiernder Finnen kamen. Ziemlich schnell kamen wir wieder darüber überein, dass wir sofort zum Auto und aus dem Zentrum zurück zu unserer Wohnung gehen würden. Wir wussten, dass am nächsten Morgen ziemlich frühes Aufwachen angesagt sein würde.

Siegerehrung nach dem Endspiel

 

Kram zusammenpacken und nach Hause

Am Montag brach also die Zeit der Heimreise an. Noch ein letztes Mal durften wir die roten Penny-Shirts für eine kleine Aufnahme anziehen, in der wir alle unsere Meinung über die guten und schlechten Dinge der Reise erzählten. Die Wohnung war noch voll mit Essen sowie vor allem mit allen möglichen Penny-Sachen, von denen wir einen Teil mitnahmen und einen Teil in der Wohnung ließen oder im Müll entsorgten. Nach dem Packen und Putzen fuhren wir noch ein letztes Mal während der Reise durch Tampere und schließlich zum Flughafen von Helsinki. Dort blieb uns noch ein wenig gemeinsame Zeit, bevor wir uns allmählich von unseren neuen Freunden verabschiedeten.

Alles in allem war die Reise eine gute Erfahrung, und ich bin dankbar dafür, dass ich Teil der tollen Fangruppe sein und viele unvergessliche Momente erleben durfte. Die Zeit wird zeigen, wie viel ich mit diesen Menschen zu tun haben werde, die ich während der sechs Tage kennengelernt habe. Ein Teil interessierte sich besonders für Eishockey, ein Teil für Sport im Allgemeinen und ein Teil vielleicht eher für das Reisen zu Großveranstaltungen. Der kleine Heimvorteil, den ich im Vergleich zu den anderen hatte, stellte sich als positive Sache heraus: Ich konnte auf Fragen antworten, die Finnland und die finnische Lebensweise betrafen, und konnte die anderen Reisenden auch ein wenig herumführen, als wir uns durch Helsinki und Tampere bewegten. Es hat sich also gelohnt, an der Reise teilzunehmen und schöne Tage in Finnland zu erleben.

Weitere Fotos und Videos findet man auf der Homepage von Penny.

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