Ooh, eine Pfandflasche!

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Ich freute mich, als ich eines Heiligabends beim Geschenkeöffnen in einem Paket die Bierflasche einer Kleinbrauerei bemerkte. Meine Aufmerksamkeit richtete sich allerdings nicht zuerst auf den Inhalt, sondern auf das kleine Zeichen auf dem Flaschenetikett. Ich begriff nämlich, dass man für das Zurückgeben der Flasche im Laden 10 Cent Pfand erhält. Zusätzlich zum Genuss des Inhalts würde ich also noch um 10 Cent reicher werden! In meiner Freude rief ich schon „Eine Pfandflasche!“, bevor ich verstand, wie unangebracht meine Reaktion war. Zum Glück war die Person, die das Geschenk gegeben hatte, nicht anwesend, um meine Reaktion zu hören.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie die Getränkedosen in Finnland Mitte der 90er Jahre bepfandet wurden und zu dieser Zeit auf ihrem oberen Rand der zweisprachige Text „PANTTI PANT“ auftauchte. Flaschenpfand hatte bereits zuvor existiert. Man muss sagen, dass Finnland sich in dieser Beziehung im europäischen Vergleich bewundernswerterweise in der Spitzengruppe platziert: Es gibt noch viele europäische Länder (ganz zu schweigen von Ländern außerhalb Europas), in denen ein Pfandsystem nicht bekannt ist.

Besonders erfreut bin ich darüber, wie gut das Pfandsystem funktioniert. Überall gibt es Rückgabeautomaten, die einwandfrei funktionieren. Natürlich gibt es auch in Deutschland heutzutage ein weitläufiges Pfandsystem, aber in einigen Läden wird die Flaschen- und Dosenrückgabe noch manuell ausgeführt, ein Kassenangestellter schmeißt also die Flaschen in einen Korb und zählt deren Anzahl.

Dort, wo die Rückgabe automatisiert ist, variiert die Automatenzahl zwischen eins und drei. Normalerweise gibt es in den kleineren Märkten allerdings nur einen Rückgabeautomaten, was Kopfzerbrechen bereitet, da es genügend Kunden gibt, und weil diese für gewöhnlich die Dosen und Flaschen der gesamten Sippe des letzten halben Jahres dabei haben, vergeht Zeit. Das größte Problem ist meiner Meinung nach aber die Wirkungslosigkeit der Automaten. Dort, wo man in Finnland in die Automaten eigentlich alle möglichen Flaschen egal wie herum hineinwerfen kann, beginnt der Automat in Deutschland sich sofort zu beschweren, wenn der Code nicht oben, die Flasche auch nur ein bisschen verschmutzt, die Hand ein wenig zu weit hineingeschoben oder die Flasche dem Automaten unbekannt ist. Außerdem ist ein Automat schnell voll, und spätestens dann muss man einen Angestellten des Ladens zu Hilfe rufen. Es vergeht also normalerweise mehr als genug Zeit, die man vor dem Automaten steht, und die Nerven können auf die Probe gestellt werden.

Obwohl das Pfandsystem in Deutschland nach den 90er Jahren vereinfacht wurde, ist die Unterteilung in „weiche“ Einwegflaschen (dessen Pfand unabhängig vom Volumen 25 Cent beträgt) und „harte“ Mehrwegflaschen (8 oder 15 Cent Pfand) noch in Kraft; in einigen Märkten werden nämlich nur Einwegflaschen verkauft, wobei der Automat keine Mehrwegflaschen zurücknimmt und der Laden auch nicht verpflichtet ist, diese anzunehmen. Mitunter wiederum nehmen die Automaten nur die 25-Cent-Flaschen an und die restlichen kann man manuell an der Kasse zurückgeben. Außerdem existieren Automaten, die keine Dosen erkennen, sodass man diese auch wieder entweder an der Kasse oder in einem anderen Geschäft zurückgeben muss. Man braucht kaum extra zu erwähnen, dass die Automaten und Läden ausschließlich solche Flaschen und Dosen entgegennehmen, auf denen in Deutschland Pfand gezahlt wird. Die anderen Flaschen und Dosen, zum Beispiel im Ausland gekaufte, landen deswegen häufig im Mülleimer oder – leider viel zu oft – neben dem Abfallkorb am Straßenrand.

In Finnland läuft die Sache merklich besser: Die Automaten funktionieren normalerweise zuverlässig und sind schnell. Es gibt gar keine Supermärkte, die so klein oder abgelegen sind, dass dort kein Rückgabeautomat vorhanden wäre. Ich kann mich nicht erinnern, in Finnland je eine manuelle Flaschenrückgabe gesehen zu haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass man in die finnischen Automaten alle Arten von Flaschen und Dosen geben kann, also auch solche, auf die man in Finnland kein Pfand zahlt. Dann erscheint auf dem Bildschirm des Automaten der Text ”pfandlos“, aber man wird die Flasche oder Dose los und sie landet nicht auf der Straße oder im Wald. Außerdem sind die finnischen Verbraucher schon daran gewöhnt, dass alle möglichen Dosen und Flaschen bepfandet sind, einschließlich aller Alko-Produkte, also zum Beispiel Likör-, Sekt- oder Schnapsflaschen. Die eifrigsten Menschen haben sogar schon Heringsgläser in die Automaten gestopft, was dem Händler nicht besonders gefallen hat, woraufhin er neben dem Automaten eine ermahnende Mitteilung platziert hat.

Auch Flaschen mit stark alkoholhaltigen Getränken sind in Finnland bepfandet. Auf diese Salmiakki-Koskenkorvaflasche zahlt man 20 Cent Pfand.

 

Das Pfand ist zumindest in Finnland keinerlei Hindernis das Produkt zu kaufen, sein Fehlen wirkt sich also nicht groß auf die Kaufentscheidung aus. In Deutschland hat man zumindest früher versucht, über die Höhe des Pfands das Kaufverhalten der Menschen zu beeinflussen. Das erklärt, warum das Pfand für Einwegflaschen und Dosen 25 Cent beträgt, während es für Mehrwegflaschen dagegen 8 bzw. 15 Cent sind. Untersuchungen zufolge scheint die Höhe des Pfands allerdings keinen Einfluss darauf zu zeigen, in was für einer Flasche die Flüssigkeit gekauft wird.

Abweichend von der deutschen Praxis werden in finnischen Supermärkten die Getränkepreise mit Pfand angegeben; in der in großer Schrift gedruckten Zahl ist das Pfand also schon inbegriffen. Zusätzlich gibt es häufig in klein den Text „sis. pantin xx,xx €“, also „enthält xx,xx € Pfand“. In Deutschland ist der in groß gedruckte Preis wiederum ohne Pfand und die Höhe des Pfands wird mit dem kleinen Text „zzgl. Pfand xx,xx €“ erwähnt. Da sich in Finnland die Höhe des Pfands nach dem Volumen der Flasche richtet (also je größer die Flasche ist, desto mehr Pfand wird darauf gezahlt) und der Kunde zuerst den Preis mit Pfand sieht, versuchen die Hersteller den Verbrauchern den Eindruck günstiger Produkte zu geben, indem die Flaschengröße reduziert wird. Ein bestimmter Hersteller von Wasser mit Geschmack zum Beispiel bietet seine Produkte in 0,95 Liter Flaschen an, weil der Konsument auf diese nur 20 Cent und nicht 40 Cent Pfand bezahlt, wie auf alle Flaschen unterhalb von einem Liter. Auf den Pfand beinhaltenden Preis wirkt sich ein 0,05 Liter Unterschied also mit diesen 20 Cent aus. In Finnland beträgt das Dosenpfand 15 Cent und das Pfand für Glasflaschen sowie kleine Getränkepackungen 10 Cent. Das Pfandsystem ist zudem einheitlich, man kann also alle Flaschen und Dosen in jedem Laden und an jedem Automaten zurückgeben.

Trotzdem gibt es einen kleinen und unbegreiflichen Schönheitsfehler in diesem ansonsten funktionierenden System. Die Flaschen der Lidl-Eigenmarke kann man in Finnland nämlich ausschließlich in Lidl-Filialen zurückgeben. Die Automaten bei Lidl akzeptieren zwar die Flaschen und Dosen aller anderen Geschäfte, aber aus irgendeinem seltsamen Grund funktioniert die Sache nicht umgekehrt. Lidl ist jetzt schon seit über 20 Jahren in Finnland tätig, aber diesen Fehler hat man zumindest bisher nicht behoben bekommen. Die Zeit wird zeigen, ob in der Sache etwas getan wird. Während wir darauf warten, lasst uns Getränke genießen und daran denken, die leeren Flaschen und Dosen im Laden zurückzugeben!

 

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Sascha Saga

    Thema „Lidl Pfandflaschen“:
    Ich selbst arbeite bei Lidl, bin aber nur ein kleines Licht im Unternehmen sprich Kassierer. Meine Vermutung, warum man Lidl Pfandflaschen nur in einer Lidl Filiale in Finnland abgeben kann, ist, dass das Unternehmen auf diese Weise den Kunden an das Unternehmen binden will, damit er/sie auch immer wieder zu Lidl kommt… Und wenn man schon mal die Flaschen dort abgeben und den Pfandbon einlösen muss, kann man doch auch gleich wieder Geld dort lassen und kauft gleich noch was ein… 😉

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