Musical Billy Elliot im Theater von Oulu

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Während unseres Aufenthaltes in Oulu hatten wir die Gelegenheit, das Musical Billy Elliot im örtlichen Theater anzusehen. Es handelte sich um unseren ersten Theaterabend in diesem Jahr und pandemiebedingt tatsächlich um die erste Aufführung in einem geschlossenen Saal, der wir nach Der Glöckner von Notre Dame in Tampere beiwohnten. Meine Eindrücke zur besuchten Vorstellung am 04.05.22 möchte ich natürlich nicht für mich behalten.

Billy Elliot war 2015 erstmals in Finnland im Stadttheater von Helsinki zu sehen. Seitdem gab es weitere Produktionen in Vaasa und Tampere. Das Musical basiert auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2000. Das Buch stammt aus der Feder von Lee Hall, die Musik von Elton John. Für die finnischsprachige Übersetzung zeichnet sich Mikko Koivusalo verantwortlich.

Die Handlung des Stückes spielt zur Zeit des britischen Bergarbeiterstreiks im Jahre 1984/85. Protagonist ist der elfjährige Billy, eine Halbwaise, die unter schwierigen Verhältnissen aufwächst. Er lebt zusammen mit seinem Vater, seinem älteren Bruder – beide Bergarbeiter, die den Streik unterstützen – und seiner Großmutter. Obwohl es ihm keine Freude bereitet, nimmt Billy Boxstunden. Eines Tages findet er sich durch Zufall nach dem Training in Mrs. Wilkinsons Ballettunterricht wieder und entdeckt dort seine Liebe und sein Talent zum Tanzen. Mit der Unterstützung von Mrs. Wilkinson bereitet er sich auf die Aufnahmeprüfung der Royal Ballet School in London vor. Bedingt durch die Vorurteile und den Widerstand seines Vaters und Bruders, aber auch durch die schwierige finanzielle Lage während des Streiks, droht Billys Traum ein ums andere Mal zu platzen.

Fotowand im Theater

 

Das Theater in Oulu ist direkt am Marktplatz und am Wasser gelegen, sodass sich ein kleiner Spaziergang vor oder nach der Vorstellung anbietet. Im Foyer gab es die Möglichkeit, seine Jacken gegen eine Gebühr von drei Euro an der Garderobe „bewachen“ zu lassen. Wie die meisten anderen Besucher machten wir jedoch lieber vom itsepalvelunaulakko Gebrauch, wo man seine Klamotten eigenhändig und gratis zur Aufbewahrung aufhängen konnte.

Garderobe mit Selbstservice im Theater von Oulu

 

Die Vorstellung fand auf der großen Bühne des Hauses statt, wo 531 Sitzplätze vorhanden sind. Der größte Teil davon war besetzt, Abstandsregeln oder das verpflichtende Tragen von Masken gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Zugegebenermaßen war das anfangs ein etwas seltsames Gefühl für uns, die wir an die Maßnahmen in Deutschland gewohnt waren.

Nach den mageren Pandemiejahren hebt sich der Vorhang endlich wieder.

 

In der Inszenierung in Oulu gibt es zwei verschiedene Besetzungen. Die Rolle des Titelhelden teilen sich zwei Kinder und je nachdem, ob Aslak oder Kimi auf der Bühne stehen, werden auch die restlichen Rollen von unterschiedlichen Darstellern verkörpert. Welche Besetzung an welchem Tag spielt, kann der Internetseite des Theaters entnommen werden. Die von uns besuchte Vorstellung wurde von der Truppe rund um Billy Darsteller Aslak gespielt.

Das Stück selbst war mir in seiner englischen Version zum einen durch ein Gastspiel der Tournee-Produktion in Hamburg (2017), zum anderen durch eine auf DVD und Blu-ray veröffentlichte Live-Aufnahme (2014) bestens bekannt. Dadurch stellte es für mich kein Problem dar, der Handlung zu folgen, obwohl der Text als Nichtfinne nicht ganz einfach zu verstehen ist. Glücklicherweise, so könnte man behaupten, fand ich Schimpfwörter und Flüche schon immer interessant. Im Stück tauchten immer wieder Kraftausdrücke auf, deren Bedeutung mir geläufig war. Ich schätze es sehr, wenn Stücke in unterschiedliche Sprachen übersetzt werden. Der einzige Wermutstropfen im Fall von Billy Elliot ist für mich, dass man nicht in den Genuss der britischen Dialekte kommt, die die in Nordengland spielenden Ereignisse im Original besonders authentisch wirken lassen.

Im Theatersaal

 

Im Vergleich zur Live-Aufnahme sind mir in dieser Inszenierung einige Unterschiede aufgefallen. So befanden sich während Grandma’s song nur Billy und seine Großmutter auf der Bühne, ihre Erinnerung an ihren bereits verstorben Ehemann und daran, wie sie in ihrer Jungend zum Tanzen gingen, wurden nicht bildlich dargestellt. Bei Expressing yourself wurden Michael und Billy nicht von überdimensionierten Hosen auf der Bühne unterstützt, sondern vom Ensemble in grellbunten Kostümen. Zum Beispiel trugen einige der Herren dabei sehr auffällige pinke Garderobe. In der Szene am Royal Ballet, als Billy beim Vorsprechen ist und sein Vater zusammen mit dem Vater eines anderen Bewerbers draußen wartet, ist es im Original so, dass es bei den beiden Männern aufgrund ihrer unterschiedlichen britischen Dialekte zu Missverständnissen kommt. Das schien bei der Vorstellung in Oulu nicht der Fall zu sein. Der „aus dem Norden“ stammende Balletttänzer, mit dem Billys Vater anschließend Bekanntschaft macht, hatte dafür einen umso ausgeprägteren Dialekt, wie er in Oulu gesprochen wird, auch wenn ich selbst das nicht heraushören konnte.

Unsere Plätze befanden sich in der sechsten Reihe links.

 

Über die Umsetzung lässt sich nur Positives berichten. Die Produktion verfügt über eine hochwertige Ausstattung und Kostüme und nutzt auch die vorhandene Hebebühne. Wir hatten unsere Plätze in der sechsten Reihe am linken Rand. Da die Bestuhlung bereits in den vorderen Reihen ansteigt, hatten wir keinerlei Einschränkungen bei der Sicht und auch bei der Akustik gab es nichts zu beanstanden. Alle Darsteller zeigten eine durchweg gute Leistung. Besonders hervorzuheben sind dabei die Kinder, allen voran natürlich die Billy-Darsteller, die sich in mehreren Solotänzen beweisen müssen. Überhaupt ist Billy Elliot ein Musical, in dem besonders viel getanzt wird und in dem man neben Ballett auch Stepptanz zu sehen bekommt. Es ist nach wie vor eines der besten Musicals, die ich bisher gesehen habe, und auch die Aufführung in Oulu kann ich jedem empfehlen. Im Herbst 2022 besteht noch mal die Gelegenheit dazu.

Weitere Informationen und Fotos zum Musical sowie Termine gibt es auf der Seite des Theaters.

 

 

 

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