Grammatikbücher Finnisch

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Die Auswahl an Grammatiken der finnischen Sprache, die auf  Deutsch verfasst worden sind, hält sich verständlicherweise in Grenzen. Dennoch können Lernende auf einige unterschiedliche Werke zurückgreifen, die sich inhaltlich doch mehr voneinander unterscheiden als die fast gleich klingenden Titel vermuten ließen. Außerdem gibt es natürlich jede Menge Veröffentlichungen, die entweder einsprachig Finnisch oder zweisprachig Englisch-Finnisch verfasst sind. Auf diese nicht-deutschsprachigen Werke gehe ich aber nicht ein, sondern habe mir vier durchaus unterschiedliche  Werke ausgesucht, die in deutscher Sprache verfasst worden und in Deutschland erschienen sind.

 

Grammatik der finnischen Sprache von Eva Buchholz

Eva Buchholz hat ein solides Lehrwerk veröffentlicht, das auf gut 200 Seiten alles enthält, was man wissen muss. Zahlreiche Beispiele inklusive Übersetzungen helfen dabei, die vorgestellten Phänomene zu verstehen und anzuwenden. Wie im Umschlagstext erwähnt wird, richtet sich das Buch, welches erstmalig 2004 im Hempen Verlag erschienen ist, an Lernende mit philologischem Hintergrund. Dem kann man im Großen und Ganzen zustimmen: Es werden viele sprachwissenschaftliche Termini verwendet, die nicht näher erläutert werden und daher für Leser/innen mit fehlenden philologischen Vorkenntnissen unter Umständen nicht ohne Weiteres verständlich sind. Die Grammatik kostet 21,80 Euro (Stand Mai 2021).

Man findet schnell das, wonach man sucht. Die wichtigen Stellen sind durch Fettdruck gekennzeichnet. Die tabellarischen Übersichten in diesem Buch sind meiner Ansicht nach ausgesprochen gut, denn sie sind zwar umfangreich und vollständig, enthalten aber keine irrelevanten Informationen. Lediglich an einigen wenigen Stellen ist die Beschreibung etwas unvollständig bzw. lückenhaft (etwa bei der Pluralbildung), sodass die fehlenden Regeln vom Leser selbst ergänzt werden müssen.

Mein Fazit: Die Grammatik von Eva Buchholz bietet alles, was ein deutschsprachiger Finnischlerner braucht. Vorkenntnisse terminologischer Art sind empfehlenswert. Einige Kapitel, etwa zur Aussprache und zur gesprochenen Sprache, sind vergleichsweise kurz und allgemein gehalten. Auch für diejenigen Lernenden, die sich etwas genauer mit der Entstehung der verschiedenen Formen, Lauten und anderen Phänomenen beschäftigen möchten, wird schnell ein umfangreicheres Buch benötigt.

 

Finnische Grammatik von Fred Karlsson

Die finnische Grammatik von Fred Karlsson ist ein Klassiker in Finnland. Im Gegensatz zu den übrigen hier vorgestellten Werken handelt es sich bei dieser Grammatik um eine Übersetzung aus dem Schwedischen. Die Erstauflage des Buches datiert aus dem Jahr 1978, die finnische Übersetzung ist erstmals im Jahre 1983 und die deutsche Übersetzung ein Jahr danach erschienen. Inzwischen erscheint das Buch im Helmut Buske Verlag als eine Print-On-Demand-Version, bei der es sich um einen Nachdruck der 4. Auflage von 2000 handelt, und kostet 29,90 Euro (Stand Mai 2021).

Auf 278 Seiten werden die wichtigsten Phänomene behandelt. Der Band gliedert sich in ganze 22 Kapitel. Laut Verfasser ist das Buch als Lehr- und Nachschlagewerk konzipiert und richtet sich „in erster Linie an Lernende, die bereits einfache finnische Texte lesen können“. Es wird aber gleich im darauffolgenden Satz erwähnt, dass weitere Vorkenntnisse nicht erforderlich seien.

Auf jeden Fall ist die Grammatik sehr umfangreich, und es wird kleinschrittig vorgegangen. Mich persönlich stört dabei ein wenig die Konvention, dass sämtliche Morphe, also bedeutungstragenden Elemente, durch Querstriche gekennzeichnet werden. Das erschwert das Lesen unheimlich, und meiner Ansicht nach ist diese Information nicht überall notwendig.

Mein Fazit: Mit der Grammatik von Karlsson kommt jeder auf seine Kosten. Das Buch enthält mehr Informationen als die Grammatik von Eva Buchholz, ist aber dafür etwas weniger angenehm zu lesen.

 

Grammatikübungsbuch Finnisch von Harald Molan

Harald Molan versucht ein handliches Grammatikbuch mit vielen praktischen Übungen auf die Beine zu stellen. Bereits das Format des Buches, welches im Helmut Buske Verlag erschienen ist, unterscheidet es von den anderen hier vorgestellten Grammatiken. Klein und handlich soll das Lehrwerk sein, was zu Kosten der Schriftgröße geht und gerade bei einem Buch mit vielen Schreibaufgaben eher ein Nachteil ist.

Leider hat sich der Fehlerteufel (zumindest noch in der zweiten, verbesserten Auflage von 2014) an manchen Stellen eingeschlichen und es sind auch Denkfehler vorhanden. So wird unter anderem bei einer Aufgabe behauptet, die Wiedervereinigung Deutschlands wäre im Jahre 1989 gewesen. Mehr als fraglich erscheint mir auch die Zuordnung des Essivs und des Translativs in sogenannte marginale Kasus. Drittens findet man im Buch Begriffe, die im heutigen Finnisch als veraltet oder als nicht standardsprachlich gelten (Eesti statt Viro, kroaatti statt kroatia). Zu guter Letzt werden an einer Stelle Haupt- mit Nebensätzen verwechselt. Im Prinzip ist also Vorsicht geboten beim Lesen, und da dieses Buch sowieso eher für Anfänger/innen konzipiert ist, besteht Gefahr, dass wichtige Sachen falsch gelernt werden.

Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass das Buch neben Erläuterungen auch Übungen und dazu noch die Lösungen enthält. Dabei sind die Übungen vielfältig und durchaus sinnvoll. Insgesamt kommt man auf ca. 180 Seiten, was die Ideologie des Buches unterstreicht: Es ist ein anfängerfreundliches Buch mit kompaktem Charakter. Feinheiten sucht man hier vergebens, aber für einen Überblick reicht es allemal. Das Grammatikübungsbuch kostet 19,90 Euro (Stand Mai 2021).

Mein Fazit: Das Buch von Molan richtet sich meiner Ansicht nach am ehesten an Anfänger/innen, die ein kompaktes Grammatikbuch mit leicht verständlich Erklärungen und Aufgaben suchen. Auf die Fehler, welcher Art auch immer, hätte man gut verzichten können.

 

Finnische Grammatik von Martin Putz

Martin Putz hat im Jahre 2002 im Praesens Verlag ein Grammatikbuch veröffentlicht, das versucht, „sprachhistorische Ansätze für Finnisch-Lernende fruchtbar zu machen und dadurch die komplexe und unregelmäßige Formenlehre sowie die zuweilen unlogisch wirkende Satzlehre verständlicher und leichter erlernbar zu machen“. Bei dieser deskriptiven Grammatik wird somit auch eine diachronische Betrachtungsweise angewendet, d. h. die sprachlichen Phänomene werden in ihrer zeitlichen Entwicklung erläutert. Aufgrund dieser Tatsache ist die Grammatik von Putz in erster Linie für diejenigen Lernenden interessant, die sich mit der Entstehung der Sprache und den historischen Gründen hinter den heutigen Formen beschäftigen möchte. Für Lernende, die einfach die heutige Standardsprache erlernen und dabei auf zusätzliche Informationen verzichten möchten, ist die Grammatik meines Erachtens eher nicht zu empfehlen, denn die relevanten Informationen gehen im Informationsdschungel schnell verloren. Möchte man aber zum Beispiel wissen, wie die einzelnen Worttypen entstanden sind und auf welche Formen und Sprachen die heutigen Formen zurückgehen, ist man hier absolut richtig.

Auf ca. 220 Seiten werden zunächst in der Einleitung auf die Sprachgeschichte sowie auf die Eigenarten der finnischen Sprache eingegangen. Der eigentliche Grammatikteil ist in Laut-, Formen- und Satzlehre unterteilt. Das Buch enthält zwar viele übersichtliche Tabellen aber auch sehr (!) viel Text auf jeder Seite, sodass die Grammatik insgesamt nicht als besonders leserfreundlich bezeichnet werden kann. Die Informationsdichte ist enorm – hätte man die Textmenge pro Seite auf ein für solche Grammatiken übliches Maß reduziert, würde das Buch sicherlich einen Umfang von mindestens 400 Seiten haben.

Das Buch ist mittlerweile in der unveränderten Neuauflage aus dem Jahr 2008 als eine sogenannte Print-On-Demand-Ausgabe erhältlich und kostet (Stand Mai 2021) knapp unter 40 Euro.

Mein Fazit: Für weit fortgeschrittene Lernende und diejenigen, die sich mit diachroner Sprachwissenschaft beschäftigen, sowie für solche, die einfach Erklärungen für die diversen Phänomene suchen, ist das Buch sicherlich nützlich. Allen anderen Lernenden reicht sicherlich eine etwas leichter verdauliche (aber auch weniger nahrhafte) Kost.

 

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