Finnisch lernen – im Kurs oder Selbststudium?

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Ist der Wunsch, Finnisch zu lernen, erst einmal geweckt, sieht man sich vielleicht mit der Frage konfrontiert, ob man dieses Projekt im Kursverband oder allein angehen möchte. Da Finnisch sich – aus einem mir nicht ersichtlichen Grund – hierzulande nicht ähnlich großer Beliebtheit erfreut wie zum Beispiel Spanisch, ist auch die Anzahl an Lehrangeboten begrenzt. Dementsprechend gestaltet es sich mitunter schwierig, einen passenden Kurs zu finden. Das merken wir immer wieder daran, dass Leute mit geringen Vorkenntnissen ausprobieren, ob sie in bereits länger bestehende Gruppen quereinsteigen können.

Was also tun, wenn zurzeit kein Anfängerkurs in der Nähe startet? Lohnt es sich, allein mit dem Lernen loszulegen? In diesem Beitrag möchte ich auf die Vor- und Nachteile des Selbststudiums beziehungsweise des Unterrichts im Volkshochschulkurs eingehen.

 

Finnischunterricht an der Volkshochschule

Einige Volkshochschulen haben Finnisch in ihrem Programm. Im Ruhrgebiet sind das neben Bochum und Dortmund meines Wissens zum Beispiel auch die VHS Witten Herdecke und die VHS Hagen, aber das überprüft man bei Interesse am besten selbst im aktuellen Programm. Leider ist es aufgrund der doch meist überschaubaren Teilnehmerzahlen nicht möglich, jedes Semester Anfängerkurse starten zu lassen, sodass man gegebenenfalls länger warten muss, bevor man sich zu einem Kurs anmelden kann.

Ist ein Kurs zustande gekommen, handelt es sich häufig um Kleingruppen, sodass keine Ermäßigung möglich ist. Zudem kann es passieren, dass Fortgeschrittenenkurse so weit zusammenschrumpfen, dass die Mindestteilnehmerzahl unterschritten wird und sie nicht über die VHS fortgeführt werden können.

Ein Kurs bietet einige Vorteile. So hat man einen festen Termin in der Woche, an dem man lernt. Um nachhaltigere Erfolge zu erzielen, wäre es natürlich besser, sich häufiger als nur in der wöchentlichen Doppelstunde mit der Sprache zu befassen. Pro Semester hat man ca. 13 Sitzungen, man sollte also nicht erwarten, nach wenigen Kursen schon fließend Finnisch zu beherrschen. Wie schnell der Unterricht voranschreitet, kommt immer auch auf die Gruppe an.

Ein Pluspunkt ist, dass man jemanden hat, der die Unterrichtseinheiten für einen vorbereitet und das Lernen strukturiert. Das lässt sich natürlich auch mit einem Privatlehrer bewerkstelligen. Ich finde es allerdings angenehm, mich in der Gruppe mit anderen Nichtmuttersprachlern auszutauschen. Wenn man merkt, dass andere die Grammatik auch nicht auf Anhieb intus haben, scheut man sich nicht, Fragen zu stellen. Auch für mündliche Übungen ist es nicht schlecht, Mitlernende zu haben. Manchmal traue ich mich eher frei zu sprechen, wenn ich nicht die Einzige bin, die dabei Fehler macht.

 

Finnischlernen als Autodidakt

Sprachen lassen sich auch allein zu Hause erlenen, was allerdings mehr Selbstorganisation und Disziplin erfordert. So muss man sich selbst passendes Material suchen, mit dem man gut lernen kann. Das kann ein Lehrbuch sein, aber auch Videos, Onlinematerial oder Apps – die Möglichkeiten sind heutzutage zum Glück vielfältig.

Ich selbst habe schon bevor mein erster VHS Kurs startete und auch in den Semesterferien immer wieder eigenständig zum Beispiel mit Yksi, kaksi, kolme gearbeitet. Meiner Meinung nach funktioniert das Selbststudium gut mit Ressourcen, die Lösungen zu den Aufgaben liefern. Schließlich nützt es mir nicht viel, wenn ich irgendwelche Sätze schreibe oder Lückentexte ausfülle und keine Möglichkeit habe, sie auf Richtigkeit zu überprüfen.

Es ist schön, wenn man selbst bestimmen kann, was, wann und wie viel man lernt – sofern man seinen inneren Schweinehund überwindet und es auch wirklich regelmäßig tut. Ich habe mir angewöhnt, jeden Tag zumindest kurz in Kontakt mit den Sprachen zu kommen, die ich gerade aktiv lerne, und erziele damit bessere Fortschritte als nur mit wöchentlichen Unterrichtseinheiten. Das heißt übrigens nicht, dass man jeden Tag eine Lektion im Lehrbuch durcharbeiten muss. Manchmal lese ich auch einfach einen Artikel zu einem Thema, das mich interessiert, oder beschäftige mich näher mit dem Text eines Liedes, das mir gefällt. Sprachen lernen soll schließlich Spaß machen.

Kommt man ins Stadium der eigenständigen Sprachverwendung, in dem man auch mal komplexere Texte schreibt, halte ich es im Fall von Finnisch jedoch für wichtig, dass man jemanden hat, der diese korrigieren kann. Es gibt angesichts der für deutsche Muttersprachler ungewöhnlichen Grammatik doch relativ viele Stolperfallen.

Ein Manko stellt für mich dar, dass ich allein keine Partnerübungen machen kann – Situationen wie eine Bestellung im Restaurant etc. zu üben ist irgendwie nicht das Wahre, wenn es von niemandem Gegenreaktionen gibt, auf die ich antworten kann.

 

Mein Fazit

Finnisch lässt sich sowohl im Kurs als auch allein erlernen. In beiden Fällen kommt es auf die eigene Motivation und das Durchhaltevermögen an. Letztendlich ist es auch eine Frage des Typs, welche Lernmethoden für einen selbst am besten geeignet sind. Für mich persönlich hat sich eine Kombination aus beidem bewährt: Unterricht in der Gruppe, um Konversationen zu üben, und ansonsten, wann immer es mir möglich ist, lernen im Selbststudium.

 

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