Wortwörtlich übersetzt: von Eichhörnchenrädern, Hühnerhaut und Bücherraupen

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Den Zuschauern von The Voice of Germany dürfte der Begriff der Hühnerhaut dank Samu Haber längst geläufig sein. Indem er Ausdrücke oder Sprichwörter wortwörtlich aus dem Finnischen ins Deutsche übernimmt, sorgt er regelmäßig für Verwirrung oder Lacher. Kein Wunder, gibt es doch neben kananliha (Gänsehaut; wörtlich: Hühnerhaut) noch eine Reihe weiterer Vokabeln, deren direkte Übersetzung sich anhört wie „Schweinedeutsch“ (siansaksa; bedeutet Kauderwelsch).

Bleiben wir zunächst bei den Schweinchen. Möchte ein Finne ein Gesetz oder eine Regel umgehen, so wird er versuchen, ein porsaanreikä (Schlupfloch; wörtlich: Ferkelloch) zu finden. Tierisch geht es auch an Weihnachten zu, schließlich bringt der joulupukki (Weihnachtsmann; wörtlich: Weihnachtsziegenbock) die Geschenke.

Eines der schönsten Naturphänomene trägt den finnischen Name revontulet (wörtlich: Fuchsfeuer) – gemeint sind die Polarlichter. Dies geht auf den Mythos zurück, die Lichter am Himmel würden dadurch entstehen, dass ein Fuchs mit seinem Schweif Funken versprüht, während er über die Fjells rennt.

Jemand, der sich gefangen fühlt im immer gleichen Trott seiner Arbeit oder des Alltags, steckt in Deutschland im Hamsterrad fest, in Finnland dagegen im „Eichhörnchenrad“ (oravanpyörä). Keine Sorge, in Finnland werden nicht haufenweise Eichhörnchen wie Hamster in Käfigen gehalten, sondern der Ausdruck wird heutzutage nur bildlich gebraucht.

Finnische Raupen und Larven scheinen ein großes Interesse an Büchern zu haben: Eine Person, die gerne und viel liest, wird als kirjatoukka (Bücherwurm; wörtlich: Bücherraupe oder -larve) oder lukutoukka (Leseratte; wörtlich Leseraupe oder -larve) bezeichnet. Während die deutsche Leseratte Eselsohren im Papier hinterlässt, um eine Seite wiederzufinden, begnügt sich die finnische „Leseraupe“ mit einem hiirenkorva, einem Mausohr.

In deutschen Haushalten finden sich Mäuse vielleicht in Form von Wollmäusen, wenn man zu lange den Staubsauger nicht mehr geschwungen hat. In Finnland dagegen lauern schon mal ausgewachsene „Wollhunde“ (villakoira) in den versteckten Ecken hinterm Sofa.

Was erhält man, wenn man einen Lachs mit einer Schlange kreuzt? Einen Drachen natürlich, deswegen heißt dieses Fabelwesen auf Finnisch lohikäärme (wörtlich: Lachsschlange).

In der Welt der Pflanzen finden sich ebenfalls Stolpersteine. Löwenzahn ist in Finnland unter dem Namen voikukka (wörtlich: Butterblume) bekannt. In Deutschland dagegen ist Butterblume laut Wikipedia ein unspezifischer Ausdruck für unterschiedliche gelb blühende Pflanzen z.B. aus der Gattung Hahnenfuß.

Suihku bezeichnet einen Flüssigkeits- oder Gasstrom, der aus kleinen Öffnungen kommt – insofern ist der Name suihkukone für Düsenflieger durchaus logisch. Allerdings lernt man suihku im Finnischunterricht eher als Dusche kennen, sodass man innerlich vielleicht eine „Duschmaschine“ durch die Luft fliegen sieht. Ebenso wenig ist suihkulähde eine „Duschquelle“, sondern das finnische Wort für Springbrunnen.

Auch Körperteile können für mich seltsam anmutende Bezeichnungen tragen. So wird aus einer Ohrmuschel ein „Ohrblatt“ (korvalehti) und der Augapfel ist ein „Augenei“ (silmämuna). Apropos Auge: Möchte man nähen, muss man den Faden zuerst durch das neulansilmä (Nadelöhr; wörtlich: Nadelauge) fädeln.

Warum erzähle ich das alles? Zum einen finde ich, dass solche Begriffe lustige Assoziationen hervorrufen, wenn man sich das einmal bildlich vorstellt, und damit besser im Gedächtnis bleiben.  Zum anderen als Entwarnung. Wenn der Finne unter den The Voice Coaches im Fernsehen sagt: „Heute ich brauchte in die Cafeteria zweimal die Morgenlatte von Mark.“ ist das nicht anstößig gemeint. Ein Schild mit der Aufschrift aamulatte (aamu bedeutet Morgen) habe ich auch schon am Bahnhof von Tampere gelesen und dort gab es wirklich nichts weiter zu kaufen als Kaffee.

 

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